Wildmeerschweinchen

Cavia aperea tschudii

 

WildmeerschweinchenDas Wildmeerschweinchen oder Tschudi- Meerschweinchen, ist die Stammart unserer Hausmeerschweinchen. Es wurde nach dem Schweizer SĂŒdamerikaforscher Tschudi benannt.

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich ĂŒber zahlreiche Staaten in SĂŒdamerika:                                           Guayana, Venezuela, Kolumbien, Peru, Bolivien, Chile, Paraguay, Uruguay, SĂŒdbrasilien Nordargentinien, Ecuador.

Es kommt in sumpfigen Niederungen, Trockensavannen, Grasland, Hecken und Buschland ebenso wie in den Anden bis zu Höhen von ca. 4000 bis 4500 Meter vor.

Sie wohnen in Erdhöhlen, Felsspalten oder verlassenen Tierbauten. Trampelpfade werden angelegt.

Die Wildmeerschweinchen leben in kleinen Rudeln von fĂŒnf bis höchstens zwanzig Tieren. In den Rudeln wird nur ein adultes MĂ€nnchen geduldet. Erwachsene Söhne haben in der Gruppe keinen Platz. Sobald sie sich fĂŒr das andere Geschlecht interessieren, werden sie von dem Vater als Rivale angesehen und unter heftigen Bissen aus dem Rudel vertrieben. Dies geschieht etwa in der 12. bis 16. Lebenswoche.

Als dĂ€mmerungsaktive Tier haben sie ihre HauptĂ€sungsphasen bei Sonnenauf – und Untergang, sind in Gefangenschaft aber auch tagaktiv. 

Die Wildmeerschweinchen ernĂ€hren sich in der Wildnis von GrĂ€sern, KrĂ€utern, Pflanzenrinde, BlĂ€ttern, BlĂŒten, FrĂŒchten, Kakteen und anderen Pflanzenstoffen.

Der Körperbau ist schmaler, die Nase spitzer, die Hinterbeine lÀnger und krÀftiger ausgebildet als bei unseren Hausmeerschweinchen. Die Ohren sind kleiner, rund, zart und hochstehend. Die Augen sind dunkel.

Die Fellfarbe ist fahl gelbgrau und schwarz gebĂ€ndert (Agoutizeichnung), die Bauchfarbe fahl gelbgrau.        Die Behaarung ist rauher als die des Hausmeerschweinchens, die Grannenhaare lĂ€nger und stehen immer etwas in die Höhe.

Die Tragzeit der wilden Meerschweinchen betrÀgt 60 Tage, die des Hausmeerschweinchens 68 Tage.

Das Geburtsgewicht des Wildmeerschweinchens liegt bei 44 bis 70g, beim Hausmeerschweinchens etwa 65 bis 120g.

Wilde Meerschweinchen bekommen ein bis vier Junge, das Hausmeerschweinchen ein bis in seltenen FÀllen sieben Junge. Die Jungen kommen voll entwickelt zur Welt und können sofort nach der Geburt sehen, laufen und fressen. Sie werden 3 - 4 Wochen lang gesÀugt.

Zwei Stunden nach der Geburt ist die Mutter wieder paarungsbereit.

Das Gewicht des erwachsenen Wildmeerschweinchens betrÀgt 500 bis 600g, das des Hausmeerschweinchens 750 bis 1200g.

Die Lebenserwartung des wilden Meerschweinchens betrÀgt ca. 5 - 6 Jahre, die des Hausmeerschweinchens 5 bis 10 Jahre.

Auch die inneren Organen unterscheiden sich etwas bei den beiden Meerschweinchen - Arten.               Wildmeerschweinchen haben einen kleineren Magen, einen kĂŒrzeren DĂŒnndarm und einen kleineren Blind- und Dickdarm. Diese VerĂ€nderungen bei den Hausmeerschweinchen entwickelten sich im Laufe der Domestikation durch das FĂŒttern von gehaltvollerem und saftigerem Futter als es den Wildmeerschweinchen zur VerfĂŒgung stand.

Wild- und Hausmeerschweinchen können sich miteinander paaren. Allerdings sollte man von solch sinnlosen Kreuzungen zur Erhaltung der Art unbedingt Abstand nehmen! Aus vergangenen Testverpaarungen seitens anderer ZĂŒchter resultieren folgende Beobachtungen:                                                   Ein Hausmeerschwein - Weibchen verpaart sich eher mit einem Wildmeerschwein - Bock als umgekehrt.       Die Jungen aus der F1 Generation gleichen alle in Verhalten und Aussehen den Wildmeerschweinchen. Erst in der F2 Generation ist die Kreuzung zu erkennen.

Wildmeerschweinchen sind recht bewegungsfreudig und benötigen in Gefangenschaft möglichst gerĂ€umige Gehege, am idealsten wĂ€re Volierenhaltung. Außenhaltung ist bei guter Isolation (Schutzhaus, Wind- u. Regenschutz), ganzjĂ€hrig möglich.

Die FĂŒtterung in Gefangenschaft besteht aus:                                                                Sehr viel Heu, Obst / GemĂŒse (keine blĂ€henden Kohlsorten), WiesengrĂŒn, ein wenig Kraftfutter, frische Obstbaumzweige und Wasser.

Meerschweinchen können kein Vitamin C selbst bilden, daher muß stets auf eine Vitamin C reiche ErnĂ€hrung geachtet werden. Vitamin C - haltige Pflanzen sind z. B. Hagebutten, Orangen, Erdbeeren, Kiwi, Tomaten, Brokkoli, Chinakohl, Fenchel, Kohlrabi, Paprika, Honigmelone, Löwenzahn, Mangold, Sauerampfer, Spinat und Petersilie.

Bei der Haltung von Wildmeerschweinchen ist zu beachten:

Vom Kuscheln hÀlt der wilde Vetter nichts!

Wildmeerschweinchen sind sehr flinke und scheue aber dennoch recht neugierige Tiere.                    Zahme Tiere fressen zwar aus der Hand, lassen sich auch mal an Pfoten und Gesichtsbereich streicheln, meiden aber alle weiter gehenden BerĂŒhrungen und sind von daher als Streicheltiere ungeeignet. Ähnlich dem Schockgefieder bei Vögeln werfen sie bei Angreifen als Gefahrenschutz vor Fressfeinden Teile ihres RĂŒckenfells ab.

Die Laufbewegungen der Wildmeerschweinchen sind schwungvoll elegant.                                Sie verfĂŒgen ĂŒber ein recht gutes Kletter- und Springvermögen (bis 75cm), steile Rampen sind selbst fĂŒr Jungtiere im Alter von wenigen Stunden kein Hindernis.

Die LautĂ€ußerungen sind im allgemeinen Ă€hnlich denen der Haus- Meerschweinchen. Das normalerweise seltene “Chirpen” (Vogelzwitschern) ist bei den Wildmeerschweinchen, besonders in den Sommermonaten, relativ hĂ€ufig zu hören. Verhaltensforscher vermuten hinter dem Chirpen eine Art von Konfliktlaut. Nach meinen persönlichen Beobachtungen konnte ich das Chirpen bei meinen Tieren jedoch in keinerlei Zusammenhang mit einer Konfliktsituation erkennen.

Erfahrungsbericht ĂŒber Bock- Gruppen

Jungböcke wurden im Rudel ihrer Eltern etwa bis zu einem Alter von 1/4 Jahr von ihren VĂ€tern toleriert und mußten spĂ€testens dann separiert werden.                                                            Am besten hatte sich bei mir bewĂ€hrt, nicht mehr wie zwei Jungböcke miteinander zu vergesellschaften. Stammen die Jungböcke aus dem selben Rudel ist es unrelevant, ob sie zum Zeitpunkt der Vergesellschaftung bereits geschlechtsreif sind oder noch nicht. Will man 2 Böcke aus verschiedenen Rudeln vergesellschaften, sollte zumindest einer von beiden noch nicht geschlechtsreif sein.

Bei Haltung von 2 Böckchen miteinander, konnte ich auch spÀter keinerlei Probleme beobachten, d.h. die Freundschaft hielt dauerhaft an.

Bei Haltung von 3 Böcken indessen können sich u.U. Zwei miteinander gegen den Dritten verbĂŒnden, d.h. der SchwĂ€chste unter ihnen wird von von den anderen beiden attackiert und muß frĂŒher oder spĂ€ter aus der Gruppe wieder herausgenommen werden.

Das soziale GefĂŒge in Wildmeerschweinchen- Rudeln ist nicht all zu stabil, es bleibt eine stĂ€ndige Aufgabe des Halters seine Gruppen gut zu beobachten und notfalls umzubesetzen.

Ein Beispiel dafĂŒr lieferte mir eine Vierer- Boygroup, in der ein Vater mit seinen 3 jĂŒngeren Söhnen zusammen lebte. Der Vater blieb lange Zeit Alpha - Bock und dieses MĂ€nner- Rudel harmonierte wirklich gut.            Als der Vater aber eines Tages schwer erkrankte, wurde ihm seine Alphastellung von einem seiner Söhne umgehend streitig gemacht. Das ganze Rudel begann untereinander heftige MachtkĂ€mpfe auszutragen, um eine neue Rangordnung festzulegen. Aufgrund der Schwere der Auseinandersetzungen mußte diese Gruppe leider getrennt werden. Der Vater lebte von da an mit dem schwĂ€chsten Glied aus dieser Boygroup zusammen, die zwei anderen Böcke kamen zu je einem Weibchen. Anders war es nicht möglich gewesen.

Auch fĂŒr geschlechtlich gemischte Rudel gilt, ist die Harmonie unter diesen Tieren gestört, sind tĂ€gliche Raufereien, teils blutig endend, an der Tagesordnung. Die Aggressionen können sich bei den Weibchen untereinander zeigen, sich aber auch mal seitens des Bockes gegen ein einzeles Weibchen richten. Die nicht geduldeten Tiere mĂŒssen dann auf jeden Fall aus dem Rudel herausgenommen werden, damit lĂ€ngerer Stress vermieden wird und wieder Harmonie einkehren kann.

Verbreitungsgebiet  ZurĂŒck zur Startseite    Wieselmeerschweinchen